Optionscode M491 Werksturbolook – der GT3 der 80er

Dass sich die Preisschraube auf dem Markt für klassische Porsche in jüngster Zeit schneller nach oben dreht als die meisten Wertpapiere ist wohl jedem Fan klassischer Automobile geläufig. Dabei entwickeln sich jedoch unterschiedliche Fahrzeuge unterschiedlich stark im Wert nach oben. Die Faustregel lautet oft: ,,Alles was bei Porsche selten ist, ist ein Garant für Wertzuwachs.’’ Ein sich dabei besonders herausstellendes Modell ist das von 1984 bis 1989 G-Modell im Werksturbolook – der WTL. Hier sind in den letzten zwei Jahren Preissprünge von 40.000€ bis 60.000€ nach oben zu beobachten. Im Vergleich dazu entwickelten sich die ,,normalen’’ 3.2 und 3.0 Liter G-Modelle nur um rund 20.000€ bis 30.000€ ins Plus – ein signifikanter Unterschied.

Ist der WTL aktuell am Markt schlicht überbewertet? Was macht die Besonderheit dieser Ausstattungsvariante aus? Und was bietet mir ein Werksturbolook im Vergleich zum bürgerlichen 3.2 Carrera?

1985 M491 Targa Werksturbolook Schwarz Heck Links

Der unter dem Optionscode M491 ab MJ 1984 als Coupé bestellbare Werksturbolook wurde, innerhalb seines sechs Jahre anhaltenden Produktionszeitraumes, insgesamt 1397 mal produziert. Ab dem MJ 1985 war der WTL zudem als Cabriolet und Targa lieferbar. Die Produktionszahlen kumulieren sich hier auf 1684 Cabriolets und lediglich 559 Targas. Für knapp unter 30.000DM Aufpreis bekam der WTL-Kunde den 911 Turbo ohne Turbo. Dies bedeutet, dass der WTL über die Bremsanlage, das Fahrwerk, die Achsen bis hin zur Karosserie alle Vorzüge des Flaggschiffes 930 bot. Vor allem die Turbo-Bremsanlage, als direkte Weiterentwicklung aus dem erfolgreichen Porsche 917, ist in diesem Zusammenhang ein nennenswertes Feature. Dem hohen Preis ist es wohl auch geschuldet, dass nur relativ wenige WTL produziert wurden. Von 1984 bis 1989 stehen so 10.296 produzierten 930 nur 3.640 911 WTL entgegen.

Heute bietet der M491 vor allem die Optik und Straßenlage des 930, gepaart mit dem deutlich niedrigeren Verbrauch des konventionellen 3.2 Saugmotors. Der Unterschied zur  Fahrdynamik des gewöhnlichen  3.2ers ist dabei gravierend. Der WTL  liegt satter, steuert agiler und bremst präziser. Lediglich sein Mehrgewicht und der durch die breitere Karosserie erhöhte Luftwiderstand bremsen den WTL in Punkto Beschleunigung und Endgeschwindigkeit ein wenig ein. Lässt man die gleichgebliebene Leistung des WTL im Vergleich zu seinen schmalen Brüdern einmal außer Acht, so könnte man ihn mit Fug und Recht als den GT3 der 80er bezeichnen.

Rarität: Carrera Targa im Werksturbolook

Zum Modelljahr 1985 betrat eine bis dato noch sehr ungewöhnliche Silhouette die Bildfläche der breiten Elfer – der Turbolook Targa.

Für Kenner der Porsche-Szene war der Anblick eines Targas in Turbooptik nichts Neues. Bereits Ende der Siebziger baute beispielsweise der Edeltuner Buchmann, kurz bb, aus Frankfurt am Main einen 911SC Targa komplett auf Turbo um und versah den Wagen neben der Turbo-Optik auch mit dem passenden Aggregat mit Abgasturbolader. Der mittlerweile zum Kultobjekt ausgestiegene ,,Rainbow-Porsche“ von bb ist stilistisch direkter Vorläufer des werksseitig verbreiterten G-Modell Targa.

In der Bauzeit zwischen 1985 und 1989 entstanden lediglich 559 Exemplare des breiten Targa mit 3.2 Saugmotor. Hiervon sind 322 linksgelenkte und 237 rechtsgelenkte Fahrzeuge. Diese sehr geringe Stückzahl macht den M491 Targa heute unter Sammlern zu einem der gesuchtesten G-Modelle mit 3.2 Liter Motor.

Zum Modelljahr 1987 wurde schließlich Rainer Buchmanns Vision vom ,,Turbo-Targa“ Wirklichkeit. Porsche erweiterte seine Angebotspalette für das Modell 930 Turbo um die Karosserieform Targa und Cabriolet. Fortan konnte das Flaggschiff der 911er Baureihe mit Abgasturbolader in allen drei Karosserievarianten bestellt werden. Insgesamt belief sich die Produktion des 930 Targa aufgrund seiner kurzen Bauzeit und des hohen Kaufpreises auf lediglich 296 Exemplare. Das 930 Cabriolet brachte es immerhin auf 1642 Einheiten.

Der M491 Werksturbolook im Porsche-Sonderwunschprogramm

Zur Einführung des M491 Werksturbolooks im Modelljahr 1984 ist das Porsche Sonderwunschprogramm bereits eine etablierte Institution innerhalb des Konzerns in Stuttgart. Bereits seit 1978 werden in dieser Abteilung auch speziellste Kundenwünsche umgesetzt und es entstehen neben spannenden Sondermodellen wie etwa der 911SC Weissach Edition aus 1980 auch legendäre Einzelstücke wie der 935 Street.

Zwar wurde der M491 im Werksturbolook als Ausstattungsoption am regulären Fertigungsband und nicht etwa in den Hallen des Sonderwunschprogrames gefertigt, der jedoch nicht triviale Aufpreis von anfänglich 24.900 DM und im Modelljahr 1989 sogar 29.790 DM legt es jedoch nahe, dass das vornehmlich vermögende Klientel neben dem Turbolook auch eine gehobenere Ausstattung des Sonderwunschprogrammes ins Auge fasste. So erhielten einige der werksseitig verbreiterten 3.2 Carrera auch noch kostspielige Mehrausstattung.

Eine häufig anzutreffende Option war ab 1985 der Spoiler Delete M470. Unter dieser Ausstattung versteht sich der Wegfall von 930 Turbo Bug- und Heckspoiler wobei der Gummi-Frontspoiler durch eine in Wagenfarbe lackierte Blende zur Einfassung der Nebelscheinwerfer ersetzt wurde. Eine weitere regelmäßig gewählte Ausstattung waren die seitlichen Lufteinlässe in den hinteren Kotflügeln. Die Option SOW012 (SOW für Sonderwunsch) kostete damals stattliche 7.950 DM Aufpreis. So hochwertig ausgestattet bewegten sich manche M491 Werksturbolooks preislich schnell in den schwindelerregenden Regionen des 930 Turbo.