1965-1969 Porsche 912 – the poor man’s Porsche

1966 Porsche 912 Bahamagelb Front

Der Porsche 912

Wenn es um den 912 geht, spaltet sich die Porsche Fangemeinde in zwei Lager. Ob einem der 912 anspricht, hängt dabei untrennbar mit der scheinbar religiös anmutenden Frage zusammen, ob ein echter Porsche mit nur vier Zylindern auskommen kann oder ob es stets ein Sechszylinder im Heck sein muss. Das Herz des 912 wurde seinerzeit aus dem 356 C leicht modifiziert übernommen. Der 356 C seit jeher ein gesuchter Klassiker. Niemand zweifelt die Echtheit der Porsche Gene dieses Vorgängermodells des 912 an. Beim von 1965 bis 1969 produzierten 912 scheint jedoch die siebzehnjährige Tradition der Porsche Vierzylinder vergessen. Der 912 genießt neben seinem großen Bruder 911 ein Dasein als Underdog – nicht selten bezeichnet man ihn als ,,the poor man’s porsche’’.

Doch hat der 912 den Ruf als ,,Billigversion’’ des 911 wirklich verdient? Oder sollte er nicht vielmehr als eigenständiger Sportwagen, der die seit 1948 gepflegte Tradition der vierzylindrigen Aggregate im Hause Porsche bis in die Siebziger aufrecht erhalten sollte, angesehen werden? Und wie gestaltet sich das Fahrerlebnis eines 912? Ist das eigentlich Porschefahren?

In jüngster Zeit bekennt sich die Sportwagenschmiede Porsche selber wieder zum Vierzylinder. Die 2016er Modelle unterhalb des 911, der Boxster und Cayman, sollen künftig durch 2.0 Liter Vierzylinder-Turbomotoren befeuert werden. Seit Produktionseinstellung des 968 im Jahr 1995 können Porschekunden wieder einen Neuwagen mit Vierzylinder kaufen. Dies lässt auf dem ohnehin boomenden Markt für klassische Porsche die Vierzylindermodelle unterhalb des 911, wie etwa den 912, 914, 924 und 944, wieder  in den Fokus der Sammler und Enthusiasten rücken. Bereits in den letzten Jahren sind auf dem Markt für 912 Preissprünge zwischen 20% und 40% zu beobachten. Die aktuelle Renaissance des Vierzylinders in der Porsche Modellpalette begünstigt diese Entwicklung weiter.

1966 Porsche 912 Bahamagelb Heck
1966 Porsche 912 Bahamagelb Ausstellfenster

Doch wie fährt sich ein Porsche 912?

Der aus dem Porsche 356 weiterentwickelte 1600er 4 Zylinder Boxer leistet im Heck des 912 solide 90ps. Aufgrund des Leergewichtes von lediglich 970kg sind damit beachtliche Fahrleistungen zu erzielen. Der 912 spurtet in 13,5 Sekunden von 0 auf 100, bei 185 km/h ist Schluss. Besonders charakteristisch für das Handling des 912 ist die, durch den im Vergleich zum 911, etwas leichteren und weiter nach vorne gerückten Motor, erhöhte Agilität. Besonders auf kurvigen Straßen und in der Stadt überrascht der drehmomentstarke Zwölfer und bietet ungeahnten Fahrspass. Fahrdynamisch signifikant äußert sich auch der Unterschied von der kurzen SWB zur längeren LWB Variante. Die Umstellung vom Modelljahr 1968 auf das Jahr 1969 ließ den Radstand des 912 um 5,7cm wachsen und sorgt damit für spürbar mehr Laufruhe. Klanglich orientiert sich der 912 eng an seinem Vorgänger, dem 356, mit seinem typischem, besonders in den unteren Bereichen des Drehzahlbandes wahrzunehmenden, bollerndem Klang.

Als Geheimtipp entpuppt sich in der Szene der Umbau des 1600er Motors auf 2000ccm. Dadurch sind bei gleichbleibendem Gewicht Motorleistungen zwischen 130ps und 150ps möglich. Zur klanglichen Optimierung eignen sich besonders Abgasanlagen der Firma Bursch. Der 912 wird dadurch sowohl von den Fahrleistungen, als auch vom Klangerlebnis, zum ernstzunehmendem Gegner seiner größeren Brüder.

Fotos von Roman Rätzke.