Porsche 911S Coupe Golfblau Titelbild Fineeleven Hamburg

Das Leben ist bunt – die Porsche Farben des 911

Der 911 ist das Aushängeschild der Firma Porsche und verkörpert durch seine Formensprache und Fahrleistungen wie kein zweiter Wagen die DNA des Traditionshauses aus Stuttgart. Das Gesamterscheinungsbild jedes Elfers ist dabei durch die Symbiose aus Form und Farbe so wandelbar wie bei kaum einem anderen Fahrzeug. Mal wirkt ein 911 sportlich aggressiv, mal klassisch dezent.
Bei Porsche nimmt das Thema „Farben“ seit Beginn der Modellreihe 911 traditionell eine zentrale Rolle ein. Seit jeher kann der Kunde deshalb aus einer sehr breiten Farbpalette wählen. Grade durch das aktuelle wiederaufleben gewisser Farbtrends aus den 1970er Jahren lohnt sich der Blick auf die Entwicklung der Porsche-Farben und wie diese den Elfer auf seinem Weg durch die Jahrzehnte begleitet haben.

Es bedarf schon einer gewissen Haltung und Selbstbewusstsein, wenn man seinen neuerworbenen Sportwagen in einer knallbunten Farbe ordert und damit das ohnehin nicht ganz gewöhnliche Erscheinungsbild im Straßenverkehr weiter in den Fokus rückt. Im Jahr 1973 jedoch nicht unbedingt ungewöhnlich. Die Angebotspalette damaliger Porsche Farben liest sich in Teilen als Auflistung von Metaphern und Referenzen an die Welt der Nutzpflanzen: Angefangen mit dem kräftigen „Aubergine“, welches eine der populären Farben für den bis heute als Maßstab geltenden 2,7 RS darstellt, bis hin zum extrem knalligen „Fraise“, das in seiner englischen Bezeichnung mehr als zurecht den Titel „Raspberry“ trägt (einer fast schon künstlich anmutenden, wohlgemerkt) und insbesondere dem Targa als Sommerkleid dient. Des Weiteren finden sich in der Farbkarte das selbsterklärende „Signalorange“, das giftige „Vipergrün“ oder der historische Farbton „Gulfblau“, welcher geprägt durch die Erfolge des Gulf Racing Teams Anfang der Siebziger Jahre bis heute eine der bekanntesten Porsche Farben darstellt (dazu später mehr) – allesamt aus dem Jahr 1973!

Der Blick um weitere zwei Jahre auf das Jahr 1975 mit dem vollzogenen Wechsel vom F-genannten Urmodell des 911 hin zum G-Modell gibt sich nicht weniger farbprächtig. „Mexicoblau“ zeigt dem Himmel seine Richtung, wogegen der Ton “Lichtgrün“ im wahrsten Sinne des Wortes einen ‚Reiz’ für das Auge des Betrachters bietet und das etwas blassere „Blütengelb“ fast schon wieder bieder wirken lässt.

Mit der Etablierung des G-Modells bis zum Jahr 1978 und dem ersten Modellwechsel innerhalb der Baureihe führt Porsche das kräftige „Arrowblau“ ein. Neben diesem stehen das etwas dezentere, aber nicht weniger spannende „Petrolblau“ und der heutzutage kaum mehr bekannte Farbton „Silbergrün Diamant Metallic“, welcher nicht zuletzt durch seine kurze Laufzeit von offiziell nur zwei Jahren (1978-1980) heute absoluten Seltenheitswert besitzt, im Angebot. Das offene Farbbekenntnis scheint den damaligen 911 Fahrer/-Innen in den 1970er Jahren eine wahre Herzensangelegenheit gewesen zu sein.

Die anschließend folgenden 1980er Jahre zeigen sich – entgegen aller Erwartungen -tatsächlich etwas gedeckter, wobei bis heute populäre Porsche Farben wie das „Indischrot“ weiterhin im Programm bleiben. Wer dadurch allerdings dem Gedanken versucht ist zu glauben, Porsche hätte dem bunten Leben abgeschworenen, soll eines besseren belehrt werden. Immer wieder greift Porsche auch bei den folgenden Modellreihen auf besonders auffällige und schrille Farbtöne zurück, so beim 964 zum Beispiel auf das nahezu rosafarbene „Sternrubin“ oder das türkisähnliche „Mintgrün“.

Ab der Baureihe 993 zeichnet sich nach dem 993 GT2 in „Rivierablau“ dann jedoch endgültig ein Wandel der Porsche Farben ab, mit dem die Bonbonfarben ab den 2000er Jahren mehr und mehr den reinrassigen Sportmodellen der GT-Baureihen vorenthalten bleiben, so dem 997 GT3 RS in „Signalgrün“.

Und heute? Zwischen dem üblichen metallic-tristen Alltag aus Silber- und Grautönen finden sich immer weniger 911 die das Bekenntnis ‚Mut zur Farbe’ ausstrahlen.

Doch Rettung ist nah: So zeigt Porsche den jüngst vorgestellten 911 der Baureihe 991.2 in Werbeprospekten und auf Messen in der Farbe „Miami Blau“, die sich in ihrer leicht blassen Anmutung wieder in Richtung des kultgewordenen „Gulfblau“ orientiert. Mit diesem zeichnet sich gemeinsam mit dem neuen Ton „Lavaorange“ und dem auf dem aktuellen GT3 RS der Baureihe 991 eingeführten „Ultraviolett“, welches sich irgendwo zwischen dem damaligen „Aubergine“ und „Flieder“ einordnet, scheinbar doch ein gewisser Sinneswandel in Bezug auf Außenfarben ab.

Eines hat der 911 derweil definitiv im Laufe vergangener Jahrzehnte bewiesen: Er ist das Chamäleon unter den Sportwagen. Kaum ein anderes Fahrzeug hat eine derartige Farbvielfalt über sich ergehen lassen und dabei doch (fast) immer eine gute Figur gemacht.

Bleibt zu hoffen, dass der Mut zur Farbe dem Elfer auch in Zukunft erhalten bleibt, selbst wenn es seine neuen Besitzer sind, die Aufpreise und lange Wartezeiten für Sonderlackierungen nicht scheuen, um auch heute noch ein außergewöhnliches Auto in Empfang zu nehmen. In Farbe.